Berner Zeitung BZ v. 16.11.2010 / von Sandra Rutschi
Zweite Runde für den Fussballplatz
Das Gemeindeparlament hat am Montag die Volksmotion für einen neuen Sportplatz als erheblich erklärt. Abgelehnt wurde hingegen ein Vorstoss der SP, der ein Naturrasenfeld zur Debatte stellte – nach dem Stichentscheid der Parlamentspräsidentin.
Wenn es um Fussballplätze geht, gehen in Worb die Emotionen hoch: Von einem Scherbenhaufen, von Hamsterradpolitik, von verhärteten Fronten und Trotzreaktionen war am Montag im Gemeindeparlament die Rede. Der Hintergrund: Das Parlament hatte über zwei Vorstösse zu Fussballplätzen zu entscheiden, die Volksmotion der Vereine SC Worb und Femina Kickers sowie einen Vorstoss der SP-Fraktion.
Das Parlament sagte einmal Ja und einmal Nein: Die Volksmotion wurde nach langer Debatte mit 19 zu 14 Stimmen bei 4 Enthaltungen als erheblich erklärt. Die Motion der SP wurde zuerst in ein Postulat umgewandelt, schliesslich aber doch abgelehnt. Nach einem unentschiedenen Resultat von 18 Ja- und 18 Nein-Stimmen bei 1 Enthaltung fällte Parlamentspräsidentin Maja Widmer (FDP) den Stichentscheid gegen das Postulat. Sie entschied damit im Sinne ihrer Partei, die sich für die Volksmotion starkmachte, den SP-Vorstoss aber ablehnte.
«Hintertür zum Kunstrasen»
Die Volksmotion verlangt, dass sofort ein Naturrasenspielfeld sowie auch die Sanierung des bestehenden Feldes im Worbboden geplant werden. Falls sich dies als unverhältnismässig teuer oder ökologisch nachteilig erweisen sollte, seien dem Parlament zwei Varianten für ein zusätzliches Naturrasenspielfeld und Kunstrasenspielfeld zu unterbreiten. Das stiess einigen Politikern sauer auf, denn die Fussballplatzdebatte hat eine lange Vorgeschichte: Schon 2006 standen drei Varianten zur Auswahl: ein zusätzliches Naturrasenspielfeld, ein zusätzliches Kunstrasenspielfeld oder der Umbau des bestehenden Rasenspielfelds in ein Kunstrasenspielfeld. Der Gemeinderat und das Ortsparlament entscheiden sich im Herbst 2009 für letztere Variante. Grüne und EDU ergriffen dagegen das Referendum, und an der Urne lehnten die Worber im Juni 2010 das Kunstrasenfeld ab. «Die Motionäre wollen durch eine Hintertüre doch noch zu ihrem Kunstrasen kommen», sagte Christoph Moser von der SP, die die Grünen und die EDU im Sommer bei ihrem Kampf gegen den Kunstrasen unterstützt hatte. Von einer «Trotzreaktion» sprach Barbara Rebsamen (Grüne). Auch der zuständige Gemeinderat Ernst Hauser (BDP) betonte, dass ein Kunstrasen nicht schon wieder Thema sein dürfe. Der Gemeinderat beantragte, die Volksmotion abzulehnen.
Hinter die Motionäre stellten sich indes FDP, SVP und mehrheitlich die EVP. «Die ungenügende Infrastruktur bei den Sportplätzen ist ein Manko», sagte FDP-Sprecher Markus Lädrach. Seine Partei betrachte die Motion als Chance, noch einmal «eine Auslegeordnung» zu machen. «Die sachliche Ebene ist klar», sagte Martin Wälti (SVP). Man wolle in Worb genügend Fussballplätze.
Neues Feld nur in Niederhaus
Abgelehnt wurde indes der Vorstoss der SP. Sie forderte, dem Parlament sei die Erstellung eines Naturrasenspielfelds zum Beschluss zu unterbreiten. Dem Gemeinderat war dieser Vorschlag wesentlich sympathischer als die zuvor genehmigte Volksmotion. Der wesentliche Passus: Die SP forderte, in Anlehnung an bestehende Strukturen ein weiteres Normfussballfeld zu erstellen. Gemeinderat Ernst Hauser (BDP) sah solche Möglichkeiten in Wyden und Rüfenacht. So könnte das stark ausgelastete Sportfeld im Worbboden entlastet werden, indem ausserhalb trainiert würde. Rücksprachen mit der Burgergemeinde Bern als Landbesitzerin im Worbboden hätten ergeben, dass dort kein Land für ein zweites Fussballfeld zur Verfügung gestellt werde. So bleibe die einzige Möglichkeit für ein solches beim Sportplatz Niederhaus, stellte Hauser klar.
Der Bund v. 16.11.2010 / von Simona Benovici
Naturrasen oder doch eher Kunstrasen? Wie in Worb die Fussballplatznot gelöst werden soll, ist weiterhin offen.
Die Nachfrage nach Fussballplätzen in Worb ist gross, das Angebot klein. Insgesamt teilen sich die 32 Fussballmannschaften des SC Worb und der Femina Kickers einen Platz im Worbboden und einen im Niederhaus bei Richigen. Zu gering ist das Platzangebot, finden SP und 476 Worberinnen und Worber. In einer Motion und einer Volksmotion forderten sie ein zusätzliches Spielfeld. Einigkeit darüber, ob es nun ein Spielfeld mit Natur- oder Kunstrasen sein soll, herrschte gestern im Parlament allerdings nicht.
Besonders die Volksmotion gab viel zu reden. Barbara Rebsamen (Grüne) sprach von einer «Trotzreaktion». Denn die Volksmotion fordert zwar die Schaffung eines zusätzlichen Naturrasenfeldes, ging allerdings noch einen entscheidenden Schritt weiter: Der Gemeinderat solle nämlich auch die nötige Sanierung des bestehenden Feldes im Worbboden an die Hand nehmen. Und falls sich bei der Planung herausstellen würde, dass der Bau und Unterhalt eines zusätzlichen Naturrasenfeldes zusammen mit der Sanierung unverhältnismässig teuer und ökologisch nachteilig sei, so solle der Gemeinderat dem Parlament gleich noch eine alternative Kunstrasenvariante unterbreiten. Brisant dabei: Im Juni lehnte der Souverän den Bau eines Kunstrasenfeldes im Worbboden bereits ab. Das 1,66 Millionen Franken teure Vorhaben wurde mit einem Neinstimmenanteil von 55 Prozent recht deutlich verworfen. Dies, nachdem Grüne und EDU im letzten Dezember gegen die «Luxus lösung» das Referendum ergriffen hatten. Abklärungen hatten allerdings gezeigt, dass ein Kunstrasenfeld die wirtschaftlich beste Lösung wäre.
Hintertürchen zum Kunstrasen?
Lukas Zimmermann (EVP) bezeichnete die erneute Forderung nach einem Kunstrasen als verfrüht. Auch Christoph Moser von der SP sagte, es mache den Anschein, als wollten die Volksmotionäre durch die Hintertür doch noch zum Kunstrasen kommen. Die FDP votierte klar für die Volksmotion. Mit deren Annahme sei noch nichts gebaut, sagte Sprecher Markus Läderach. Schliesslich wurde die Volksmotion mit 19 Ja zu 14 Nein bei 4 Enthaltungen doch als erheblich erklärt. FDP, SVP und Teile der EVP stimmten für die Volksmotion, die Mehrheit der SP, Grüne und EDU dagegen. Damit nimmt der Gemeinderat nochmals Naturfeldvariante und Kunstrasen unter die Lupe.
Noch knapper fiel das Abstimmungsergebnis bei der SP-Motion aus. SP und Grüne sprachen sich dafür aus, den Gemeinderat mit der Projektierung eines Naturrasenspielfeldes zu beauftragen. Die EVP stimmte nicht geschlossen. SVP, FDP und EDU hielten dagegen. Das Resultat: 18 Ja-Stimmen zu 18 Neinstimmen bei einer Enthaltung. Ratspräsidentin Maja Widmer-Trimaglio (FDP) schickte die Motion schliesslich per Stichentscheid bachab.
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